Berichte 2009

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Knastmarathon Darmstadt

Laufen 2009
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Rudi und Dietmar beim Knastmarathon in Darmstadt

Zuerst musst du 42km laufen, dann darfst Du wieder raus oder: 

Wer geht schon freiwillig in den Knast?

 

Am 17 Mai 2009 besuchten die Marathonis Dietmar Mintgen und Rudi Vogel eine kuriose Marathon-Veranstaltung. Die Justizvollzugsanstalt Darmstadt hatte zum Laufen eingeladen. Innerhalb eines Laufprojektes wurden auch externe Läufer zugelassen, um zusammen mit Inhaftierten einen Marathon zu laufen. Schon auf der Fahrt nach Darmstadt machte man sich Gedanken über das Umfeld und die Teilnehmer dieser Veranstaltung. Um 8.00 Uhr an der JVA angekommen, ging es durch eine stählerne Seitentür der großen Gefängnismauer in einen Vorraum. Dort musste jeder seinen Personalausweis abgeben. Anschließend musste  sich jeder einer  Gepäck- und Ganz-körperkontrolle unterziehen und wurde ähnlich wie bei einem All-Inclusive-Urlaub mit einem Armband gekennzeichnet. Nach weiteren Schleusentoren stand man dann mitten im Innenhof. Ein Start/Zielbanner sowie mehrere Zelte kündigten hier eine Sportveranstaltung an. Wie bei Profiläufen, hatte man jeweils ein Massagezelt, Sanitätszelt und ein Zelt mit läufergerechten Köstlichkeiten aufgebaut.

Dann ging es zum Start, der um 10:00 Uhr erfolgte. Die Zeit wurde mittels Champion-Chip gemessen und über eine Großbildleinwand wurden den Läufern ihre noch zu laufenden Runden angezeigt. Insgesamt 37 Knackis aus verschiedenen JVA`s begaben sich mit 140 Marathonis aus ganz Deutschland auf einen 1,758 km Rundkurs im Innenhof der JVA Darmstadt, der 24 mal gelaufen werden musste. Während des ganzen Laufes schien die Sonne erbarmungslos auf die komplette Laufstrecke. Diese war aber mit vielen Wasserstellen bestückt.

Die Laufstrecke war von kasernenförmigen Gebäuden umgeben, hinter deren Fenster  man vereinzelt Gesichter erkennen konnte. Während des Laufes kamen einige nicht laufende Häftlinge, die durch ihre weinrote Kleidung auffielen, auf Hofgang und bildeten neben den Wachposten, den DRK- u. den THW-Helfern, die einzigen Zuschauer.

Direkt neben der eingebauten Wendeschleife befand sich der Hochsicherheitstrakt. Hier werden die Häftlinge während des Hofgangs zusätzlich durch Zäune abgegrenzt.

Es kam ein Laufgefühl besonderer Art auf, nachdem vereinzelt Anfeuerungsrufe zu vernehmen waren.  R. Vogel, der kurzfristig ohne Training für einen verhinderten Läufer an diesem Marathon teilnahm, kam mit einer Zeit von 4:11:06 Std. völlig erschöpft  und D. Mintgen in 4:51:36 Std. ins Ziel. Auch alle  Häftlinge, wenn auch ziemlich ausgepowert, erreichten das Ziel. In der Knacki-Wertung siegte ein Insasse der JVA Darmstatt in einer Zeit von 4:01:35 Std. Der externe Gesamtsieger lief in 2:53:26 Std. ins Ziel.

Viele von diesen Jungs hatten selbst noch nie etwas im Leben erreicht. Mit diesem Projekt konnten sie für sich selbst ein Ziel setzen und erarbeiten.

Für die beiden Läufer Dietmar und Rudi war diese Veranstaltung ein Erlebnis der besonderen Art und sie genossen die Freiheit nach 10 Stunden Knast umso mehr.

 

Dietmar Mintgen und Rudi Vogel wieder in Freiheit

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